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Zuger Gemeinden (27. Januar 2004)

Meierskappel träumt vom Nachbarn Risch

Experten wollen die Vor- und Nachteile einer Fusion von Risch und Meierskappel prüfen

An einer öffentlichen Veranstaltung am nächsten Donnerstag, 29. Januar, in Risch soll die Möglichkeit einer Fusion der Luzerner Gemeinde Meierskappel mit der Zuger Gemeinde Risch geprüft werden. Die «Zuger Presse» sah sich in Meierskappel um und sprach mit dem Gemeindepräsidenten Armin Huber


"Der Gemeindepräsident von Meierskappel, Armin Huber, hat den Kanton Zug jetzt schon im Blickfeld. Als einzige Luzerner Gemeinde grenzt Meierskappel an den Zugersee."

Die Unterschiede der beiden Orte beginnen schon mit einem Blick auf die Gemeindewappen. Während das Rischer Wappen einen Baum mit ansteigendem Luchs auf einem Dreiberg zeigt, symbolisieren die Meierskappeler einen grünen Ginsterstrauch mit vier Blütendolden und je sieben goldenen Blüten.

Die Luzerner Gemeinde ist ländlich geprägt mit vielen alten und teils historischen Gebäuden. Giebeldächer beherrschen die Szenerie im Dorfkern, während in den umliegenden Wohnquartieren schon moderne Architektur Einzug gehalten hat. Viele Bäume, Sträucher und Hecken begrünen das Dorf, ein Wald grenzt die Gemeinde nach oben ab. In der Gemeinde fällt dem Besucher schon von weitem die Kirche ins Auge, die rechts vom Schulgebäude auf einer Anhöhe thront.

Sogar eine Dorfkäserei

Ein Restaurant, drei Geschäfte zwei Busstationen und das Schulhaus bilden den eigentlichen Kern der Gemeinde. Von der Gemeinde schweift der Blick hinunter über Felder und Äcker nach Buonas und Risch. Der Zugersee sieht von hier ganz anders aus, und in der Ferne grüsst der Zugerberg. Eine kleine Sensation liegt an der Hauptstrasse: Hier gibt es tatsächlich noch eine Dorfkäserei.

Auffallend ist der persönliche Umgangston der Einwohner. Gegrüsst wird freundlich und meist mit Namen. So etwas ist man im internationalen Zug nicht mehr gewöhnt. Die Nähe zur Gemeinde Risch ist unübersehbar, die Wegweiser im ganzen Dorf zeigen unmissverständlich Richtung Risch, Buonas oder Rotkreuz. Im Gemeindehaus, dem alten Schulhaus, tagt der Gemeinderat mit dem Gemeindepräsidenten Armin Huber.

Wie alles begann

Die gewagte Idee einer Fusion entstand nicht in den Köpfen der Gemeindebehörden, sondern 1997 im Rahmen eines Projekts vom Regierungsrat des Kantons Luzern. «Luzern 99» beabsichtigte, dass Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohner mit anderen Gemeinden fusionieren sollten. Dazu erklärt Armin Huber: «Damals kam die Diskussion auch bei uns auf, was mit unserer Gemeinde geschehen sollte.» Die nächste Luzerner Gemeinde Udligenswil ist vom Dorfzentrum etwa sechs Kilometer weit entfernt, Risch nur zwei. Für die Meierskappeler nimmt Risch ausserdem eine Zentrumsfunktion wahr.

Ob Einkaufen, Vereinsleben oder Arbeit, alles spielt sich in der Ennetseegemeinde ab. Als einziger Luzerner Ort grenzt Meierskappel mit der Chiemen-Halbinsel direkt an den Zugersee. Die Gemeindegrenzen stossen neben Risch an die Luzerner Gemeinden Root und Udligenswil sowie an den Schwyzer Bezirk Küssnacht. Was haben denn die Meierskappeler den Rischern eigentlich zu bieten? Wollen die Luzerner nur Steuern sparen? «Wir würden auch mit Risch fusionieren, wenn es eine Luzerner Gemeinde wäre. Nur den Steuerfaktor einzubeziehen, ist kurzfristiges Denken. Wer weiss schon, wie die Situation in 10 oder 15 Jahren aussieht», sagt Huber deutlich.

Die Zusammenarbeit mit Risch dauert bereits gut 20 Jahre. Schon die Schüler in der Oberstufe lernen die Gleichaltrigen im anderen Kanton kennen. Früher wurden sie mit Bussen nach Adligenswil geführt, ab 1975 wurde mit der Schulgemeinde Risch eine Regelung getroffen, die auch den Ferienplan anpasste. Regelmässige Postautoverbindungen sorgen heute für einen sicheren und komfortablen Schulweg. Auch die Spitex oder die Jugendmusik laufen jetzt schon zusammen mit der Zuger Gemeinde. Das Altersheim von Meierskappel befindet sich ebenfalls in Risch. «Es sind etwa 18 Sachen, die wir zusammen mit der Gemeinde Risch machen, das möchten wir nicht aufgeben.»

Was in dieser Gemeinde neben der ländlichen Gegend noch auffällt, ist die grosse Anzahl an Vereinen und Institutionen. Von der Musikgesellschaft über die Samariter, Feuerwehr, Schützenverein, die aktiven Senioren und natürlich die Fasnachtsgesellschaft ist alles vorhanden.

Noch genügend Landreserven

Ein reges Vereinsleben reicht nicht für eine Fusion. Da muss es doch noch mehr geben. Huber hat gleich die passenden Argumente und eindrücklichen Zahlen parat: «Wir haben noch grosse Landreserven. Auf unsere 1000 Einwohner kommen fast 1000 Hektaren Land. Ausserdem befinden wir uns an einer attraktiven Hanglage mit wenig Verkehr und einer grossartigen Aussicht.» So etwas ist natürlich lukrativ für eine Wachstumsgemeinde wie Risch, da spielen auch allfällige Defizite keine Rolle mehr.

Huber relativiert die Zahlen seiner Gemeinde: «Wir sind zwar verschuldet, aber auf der anderen Seite haben wir neben den Landreserven noch eigene Infrastrukturen mit Gebäuden und Strassen.» Huber erzählt, dass für einige Leute die Aufgabe der Autonomie ein Nachteil sei. Doch er sieht keine Alternativen, obwohl bei einem Zusammenschluss Meierskappel nur noch einen kleinen Teil der Gemeinde Risch bilden würde, wie heute schon Rotkreuz, Buonas und Holzhäusern.

Fritz lehman

Copyright © 28. Januar 2004
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