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Ausgabe vom Dienstag, 3. September 2002
Meierskappel
Rot- wurde fast Freiwild
24 Stück Rotwild flohen aus einem Gehege in
Meierskappel. Das Jagdamt gab ihnen genau 48
Stunden, um zurückzukehren.
Gestern begann im
Kanton Zug die Jagd. Zum Glück erst
gestern - zumindest für 24 Cervus
elaphus elaphus, auch Rotwild geheissen:
Sie waren Mitte August aus einem Gehege
in Meierskappel entwichen. Bis am 26.
August waren immer noch sechs Tiere
flüchtig. Für das Zuger Amt für
Fischerei und Jagd war das Grund genug,
«diesbezüglich folgende vorsorgliche
Feststellungen» im Amtsblatt zu machen:
«Tiere, die binnen 48 Stunden nach ihrer
Flucht nicht eingefangen werden konnten,
gelten seither als Wildtiere», steht da
geschrieben, wobei die Wildtiere dann
«herrenloses Gut» seien. Deshalb hätten
ab gestern das Rotwild, wären die sechs
Cervus elaphus elaphus denn noch
flüchtig, «während der Zuger Hirschjagd
im Rahmen der geltenden Vorschriften
durch Inhaber des Hirschjagdpatentes
erlegt werden» können.
«Wechseln auf Zuger Territorium»
Taucht die Frage auf, warum sich ein Zuger
Amt zumutet, Luzerner Rotwild zum Abschuss
freizugeben - immerhin liegt Meierskappel auf
Luzerner Boden -, dann ist die Antwort ebenfalls
im Zuger Amtsblatt zu entnehmen. Dort steht:
«Nach vorliegenden Informationen wechseln
einzelne Tiere auch auf Zuger Territorium. Es
ist daher nicht auszuschliessen, dass sich
während der Zuger Hirschjagd entlaufene Hirsche
im Gemeindegebiet von Risch und damit auf Zuger
Jagdgebiet aufhalten werden.»
Hirsche hätten Jägern gehört
Tatsächlich scherte sich
ein Teil des flüchtigen Wilds keinen
Deut um Kantonsgrenzen: «Sie wurden im
Kanton Zug gesichtet», sagt Alois Weber,
dem die Tiere gehören. Noch vor
Jagdbeginn in Zug jedoch waren alle
Hirsche wieder in Webers Gehege. Das
Vorgehen des Zuger Amtes hielt er
deswegen für etwas vorschnell. Aus
Vorsicht habe er - selber Jäger - wegen
der Meldung im Amtsblatt einige Kollegen
informiert, sie sollen jene Hirsche auf
Luzerner Gebiet schiessen, um sie dann
ihm zu überlassen, «damit ich noch einen
Nutzen habe». Wären die Hirsche nämlich
bis gestern immer noch flüchtig gewesen
und jemanden Fremden vor die Flinte
gelaufen, «dann hätten die Tiere
gesetzeskonform demjenigen Jäger gehört,
der sie geschossen hätte, und ich wäre
leer ausgegangen». Beim Zuger Jagdamt
war gestern niemand erreichbar. Immerhin
habe es alle Jäger per E-Mail
informiert, dass die Mitteilung im
Amtsblatt inzwischen veraltet sei, da
alle Tiere vor Jagdbeginn wieder ins
Gehege zurückgekehrt sind, sagte Alois
Weber. Er lockte sie mit Äpfeln und Mais
zurück - «und teils sind sie freiwillig
gekommen, was zeigt, dass sie sich bei
mir wohl fühlen».
Martin Messmer
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