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in gigantischer
Obstgarten - mit reifen Früchten: Der Traum
jeder passionierten Gärtnerin wird zum
Albtraum für die Kinder. Was zu tun ist,
liegt auf der Hand. Bloss alleine ist die
Arbeit nicht zu schaffen, also müssen die
Sprösslinge ran. Da hilft alles Murren und
Stänkern nichts. Kein Pardon. Ohne
familieninternen Zwist insbesondere bei
pubertierenden Girls läuft sowas selten ab.
Hinter Früchten her
Anders in fremden Gärten: Stolz zeigen
Manuela (15) und Melanie (13) die beiden Töpfe
her, randvoll mit Pflaumen. «Soeben gepflückt»,
erzählen die beiden und strahlen dabei, als
hätten sie soeben ein Pferd zum Geburtstag
versprochen gekriegt. Von wegen. Ohne
Aufforderung, ohne Gegenleistung, in den Ferien
und an einem Ort, wo sie nur gegen Geld
Bleiberecht haben, gingen die zwei Teenies den
Früchten nach. Manuela aus St. Gallen und
Melanie aus Meiringen sind zu Gast bei den
Knüsels in Meierskappel, haben hier mit Eltern
und Grosseltern die Zelte aufgeschlagen. Nicht
wild: Knüsels Bauernhof Gerbe ist auch ein
Campingplatz.
Warum eigentlich nicht?
Vor rund sechs, sieben Jahren, so genau
wissen es die Bauersleute auch nicht mehr, sind
die Knüsels auf die Idee mit dem Campingplatz
gekommen. Damals, nachdem Edith Knüsel einen
Kurs «Schule auf dem Bauernhof» gemacht hatte,
sind immer wieder ganze Schulklassen auf dem Hof
zu Besuch gewesen und über Nacht geblieben. Als
sich dann einige Eltern erkundigten, ob sie auch
mal auf dem Hof campieren dürften, sagten sich
die Knüsels: Warum eigentlich nicht.
Jeden Winter was Neues
Damit aber war es nicht getan.
Toiletten-Anlagen, Duschen - die ganze
Infrastruktur eines Zeltplatzes musste
her und vor allem eine Ausnahmebewilligung
von der Gemeinde, damit die Knüsels auf
ihrem Landwirtschaftsgebiet überhaupt einen
Zeltplatz führen durften. Später machte eine
Umzonung des halben Hektar Land in eine
temporäre Campingzone die Bewilligung
überflüssig. Nicht aber jede Menge Arbeit.
Knüsel senior und Junior Andreas (14)
machten den Schopf «zwäg», bauten ihn zum
isolierten Aufenthaltsraum samt hölzerner
Bar aus. Jeden Winter liessen sich die
Knüsels zum Saisonstart was Neues einfallen:
etwa das Campinglädeli mit allerlei Frischem
vom Hof und vom einheimischen Gewerbe, auch
Spezialitäten wie Konfi «Belle de Paris»
(Edith Knüsels Kurzerklärung: «aus
Pflaumen»). Hinzu kam ein Bassin, auch der
«Oklahoma Joe», (Beat Knüsels Kurzerklärung:
«ein Grill, der aussieht wie eine
Dampflok»). Der Campingplatz wuchs und wurde
für die vierköpfige Familie zu einem
finanziellen Standbein, wie der 42-jährige
Knüsel sagt: «Er ist für uns wichtig, damit
wir positiv in die Zukunft sehen können.»
Bewusst kein Kleinzoo
Bauernhof ist die «Gerbe» aber geblieben:
ein Betrieb seit Generationen in Familienbesitz,
mit Obstbau und Milchwirtschaft, 24 Kühen plus
Jungvieh im Stall. Mit zwei Ponys, Geissen,
Schafen, Hasen, Katz und Hund. Alles da. Alles
eben, «was auf einen Bauernhof gehört.» Und
nicht mehr. «Wir wollen ganz bewusst keinen
Kleinzoo», so Knüsel. Einziger Exot unter den
einheimischen Tieren sind ein Pfau und seine
Jungen.
Die Knüsels sind Bauern, lassen
sich aber nicht bloss gegen Entgelt über die
Schulter blicken. Sie sind auch Gastgeber mit
Leib und Seele. Vater wirft für die Gäste abends
«Joe» an, Mutter (36) und Andreas kochen für die
Camper Älplermagronen - offenbar so gut, dass es
gar Gäste geben soll, die sich bereits bei der
Reservation erkundigen, an welchem Wochentag die
Makronen auf der Menükarte stehen. Für 3 Franken
pro Ritt führt die 13-jährige Tochter Yvonne die
Ponys mitsamt Gästen um den Hof.
Ruhe gönnt sich die Familie selten.
Immerhin, über Mittag von zwölf bis eins
sei man drüben im Haus unter sich, sagt
Knüsel. Und einmal im Jahr zieht die
Familie fort: zwei Wochen Gran Canaria,
jeweils im Winter. Das reicht. Denn
allzu lange hält die Ruhe auf der Gerbe
niemand aus. Sohn Andreas sei es auch
schon mal im Februar bereits wieder
langweilig geworden, lacht Mutter Edith.
Was ihm zurzeit garantiert nicht
passieren kann, Hochsaison auf der Gerbe
heisst bis zu 200 Leute auf dem Platz.
Aus der Ruhe bringen lassen sich die
Knüsels allerdings nicht. Einfach nur
«höckle» können sie auch - mit den
Gästen aus halb Europa auf du und du.
Reife Früchte
Die
persönliche Atmosphäre schätzt auch
Monika von Wartburg aus Reussbühl. Sie
ist mit ihren zwei Kindern schon zum
dritten Mal da. Eigentlich wäre sie
dieses Jahr gerne etwas weiter weg als
10 Minuten von zu Hause in den Ferien,
im Tessin oder so. Keine Chance. «Die
Kinder haben mich schon vor Wochen
bestürmt, wieder hierher zu fahren.» Dem
familieninternen Zwist ging sie gerne
aus dem Weg. Hier hat sie ihre Ruhe.
Kein Murren und Stänkern. Nur jede Menge
junge Gäste und dazu reife Früchte auf
zweieinhalb Hektaren.