Ausgabe vom Donnerstag, 4. Juli 2002



Konfusion - Fusion kontra Wechsel

Von Zeit zu Zeit berichten die gedruckten Medien über einzelne Luzerner Gemeinden, welche den Übertritt in einen benachbarten Kanton anzustreben scheinen. Angeregt durch den Wunsch einiger Bürger oder durch die Initiative der einen oder anderen politischen Ortspartei, machen sich solche Gemeinden eigene Gedanken über ihre Zukunft - und deshalb auch in der Presse bemerkbar.
Beim Lesen dieser Artikel stösst man nun häufig auf einen gemeinsamen Kern derartiger Anliegen. Der Wunsch zum Wechsel in einen Nachbarkanton wird beflügelt durch finanzielle Beweggründe. Zwar nicht immer, aber immer öfter stehen steuerliche Erwägungen an der Spitze der Motive. Die Steuerlast drückt viele Luzerner Gemeinden beziehungsweise deren Einwohnerinnen und Einwohner, weitere Belastungen werden befürchtet, die finanzielle Autonomie schwindet, und ganz generell fühlt man sich zunehmend als «Milchkuh». So weit, so gut - oder eben? nicht so gut.
Anders verhält es sich mit den Wünschen und Zielen der Gruppe interessierter BewohnerInnen Meierskappels (GiB-M) in unserer kleinen Gemeinde. Wir wollen nicht zu einem anderen Kanton überlaufen, sondern uns mit der Nachbargemeinde eines anderen Kantons zusammenschliessen. Meierskappel LU klärt eine Fusion mit Risch ZG ab. Hierbei legen wir Wert auf die Feststellung, dass diese Absicht nicht durch materielle Überlegungen motiviert ist. Wir werden nicht zu einem Steuerparadies mutieren, und wir werden uns auch nicht «freikaufen» wollen!
Welcher Art sind nun unsere Beweggründe, auf welchen Gegebenheiten beruhen unsere Ansätze? In Kürze und im Klartext: Aus historischen sowie geografischen Gründen sind wir mit dem Kanton Zug, insbesondere mit der Gemeinde Risch, eng verbunden. Viele unserer Arbeitsplätze befinden sich im Kanton Zug. Seit langem kooperieren wir erfolgreich mit Risch in Bereichen wie Schule, Kirche, Altersheim und vieles mehr. Diese strukturelle Zusammenarbeit gilt es zu festigen, auszubauen und zu nutzen, und zwar vor allem zum Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner von Meierskappel und von Risch.
Ein Zusammenschluss mit einer angrenzenden Luzerner Gemeinde würde jedoch die erwähnten Kooperationen gefährden. Ebenfalls könnten die vom Regierungsrat propagierten Synergien eines Zusammenschlusses mit einer Luzerner Gemeinde nicht erreicht werden - ohne weiteres aber mit Risch ZG.
In den genannten Punkten sehen wir die Stärke einer künftigen Fusion, nicht in allfälligen Steuervorteilen, deren Ausmass noch gar nicht beziffert werden kann. Deshalb distanzieren wir uns mit Nachdruck von den Vorstössen jener Gemeinden, die den Wechsel in einen anderen Kanton nur aus finanziellen Gründen durchsetzen wollen.
Wir haben klare Vorstellungen davon, wie eine interkantonale Zusammenarbeit auszusehen hat, und wir verfügen über ein stichhaltiges Konzept für einen allfälligen Zusammenschluss. Deshalb plädieren wir von der Gruppe interessierter BewohnerInnen Meierskappels für eine sinnvolle Fusion.



Manfred Bolt, für das Initiativkomitee, Meierskappel